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| Technik und Zeit: Der Fehler des Epimetheus
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Ein humanistischer Rückfall? Der erste Band zum Problem von Technik und Zeit.
• • • • • (bewertet mit 3 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Technik und Zeit: Der Fehler des Epimetheus (Broschiert) Der geneigte Leser sollte sich keinesfalls von dem etwas eingängigen Titel täuschen lassen, denn was hier vorliegt ist schon im Original schwer lesbare hochakademische bzw. hochtheoretische Prosa, die mit ihrer Schwierigkeit nicht geizt. Es muss darauf hingewiesen werden, dass das vorliegende Buch der erste von drei Bänden ist. Und wie es so bei dreibändigen Projekten ist, der erste Band enthält eben viel Präliminarien und kommt nicht so richtig zu einem Ende, was man leider auch vom zweiten Band (La Technique et le Temps II, La desorientation) und dritten Band (La Technique et le temps III. Le temps du cinema et la question du mal être) sagen muss. Dass das Buch zuerst vom Autor auf fünf Bände angelegt war und dann über die Jahre auf 3 geschrumpft ist, spricht auch nicht gerade für eine souveräne Architektonik, zudem hat der Autor leider damit begonnen Unmengen von Büchern zu veröffentlichen, die leider eine eher kultur-konservativen Ton anschlagen und eher nicht mehr der affirmationistischen Dekonstruktion eines Derrida ähneln. Das Buch versucht die Technik als das noch Ungedachte der abendländischen Geschichte also wie der Autor einleitend schreibt als Horizont einer jeden zukünftigen Möglichkeit oder möglichen Zukunft" und eine weitere massive These dieses Buches "Der Mensch erfindet die Technik, die Technik erfindet den Menschen." Die Einleitung fängt dann schon an schwerere Geschütze aufzufahren: die Unterscheidung von techne und physis, Platons Hypomnemata, Heideggers Dasein, die Konfrontation von Epitmetheus und Prometheus, Gilbert Simondon und Edmund Husserl, und zu guter Letzt André Leroi-Gourhan, den der Leser schon aus Derridas "Grammatologie" kennen dürfte. Obwohl der englische Übersetzer Richard Beardsworth dem Werk den Rang von Heideggers "Sein und Zeit" bescheinigen wollte, hat Geoffrey Bennington in einer lesenswerten Reszension darum gebeten doch einmal die Lesebrille aufzusetzen.Stieglers Buch ist also eher durchwachsen als eine Sensation. Vor allem fallen - wie Bennington gezeigt hat - seine Fehldeutungen von Derridas differance negativ auf, so dass Stiegler meint, man müsse das Konzept einer differantiellen différance auffahren, ebenso ist sein Verhältnis zu Heidegger ein wenig unterbelichtet. Diese seltsame Unschärfe, die Stieglers Verhältnis zu Heidegger und Derrida begleitet, führt so Bennington dazu, dass wesentliche Einsichten der Dekonstruktion zugunsten eines vordekonstruktiven Technikverständnisses aufgegeben werden. Was daraus folgt ist wohl die alte humanistische Leier von der Bedrohung des Humanum durch die Technik.
Fazit: Ein interessanter Problemaufriss, der auf jeden Fall den erfahrenen Leser fordert, da ihm das Äußerste abverlangt wird. Die Lektüre ist also keineswegs ein Spaziergang. Negativ wirkt sich natürlich aus, dass dies nur der erste Band ist, der leider irgenwie im Niemandsland der Argumentation verendet, als abgerundet endet. Also alles in Allem ein durchwachsenes Buch, das viele Probleme aufwirft und wenige beantwortet. Leider hat sich durch die neueren Veröffentlichungen Stieglers gezeigt, dass die Richtung seiner hochtrabenden Reflektionen leider in Richtung von Kulturkonservativsmus weisen. Zur These einer Proletarisierung des ästhetischen Apparates durch die modernen Massenmedien. 3 Sterne
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. Juni 2008 | | |
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